Cuthbert Dzingirai

Die Gnade Gottes hat mich herausgeholt

Schmerzhafte Yogaübungen, endlose Meditationen bei Kerzenlicht, stundenlange harte Arbeit, sinnleeres Fasten und eine ungesunde Überbetonung des Gemeinschaftslebens auf Kosten der persönlichen Verantwortung machten mir deutlich, dass ich in einen der strengsten Priesterorden geraten war. Als ich dem Orden beitrat, kannte ich nicht einmal den Unterschied, den die römisch-katholische Kirche zwischen Weltpriestern und Ordenspriestern macht.

Kirchenbeitritt gegen Arbeit und Wohnung

Als ich Ende 1965 geboren wurde, war meine Familie noch nicht katholisch. Ich bin der drittjüngste in einer Familie von vier Jungen und zwei Mädchen. Man gab mir den Namen Chiomberegwa, was ‚der Geehrte’ bedeutet. Bald nach meiner Geburt zog meine Familie auf eine Farm der Gokomere Mission in Zimbabwe, Afrika. Als wir dort ankamen, wurde ich auf den Namen Cuthbert getauft und meine Familie konvertierte zum römisch-katholischen Glauben. Dies war eine der Bedingungen, um auf dem Gelände der Mission zu wohnen und von der Kirche angestellt zu werden.

Auch der Kirchenbesuch war obligatorisch. Unsere Eltern mussten uns zu jedem kirchlichen Anlass schicken. Das Familienleben verschmolz gewissermassen mit dem kirchlichen Leben. Manchmal wurden aufgrund einer Kirchenveranstaltung sogar Schulstunden gestrichen. Als Erstklässler konnte ich keinen Unterschied zwischen der Familiengemeinschaft, der Kirche und der Schule erkennen, da Schwester Paula und andere Repräsentanten der Kirche überall zugegen waren. Die Leitung der Primarschule hatte eine Nonne, die Leitung der Oberstufe ein Priester. Die meisten Lehrkräfte waren Mönche und Nonnen.

Kein Platz im Priesterseminar

Als ich grösser wurde, wollte ich Priester werden und in einer Pfarrei arbeiten. Doch welch eine Enttäuschung: Im regionalen Priesterseminar gab es für mich keinen Platz! Und so landete ich schliesslich in einem Mönchsorden. Erst nach vier Jahren, als ich Zweitjahresnovize in der Gandachibvuva Mission war, wurde mir der Unterschied zwischen beidem deutlich. In der Ausbildung zum Pfarreipriester wird mehr Wert auf akademische Ausbildung und auf die Vorbereitung für die Arbeit in der Pfarrei gelegt. Ordenspriester dagegen leben in Kommunitäten und haben einen durchgeplanten Tagesablauf mit ausgedehnten Meditationen und geistlichen Übungen. Der Franziskanerorden, in den ich eingetreten war, war einer der strengsten. Seine harten Regeln galten unerbittlich für jedes Mitglied.

Gewissenhafte Vorbereitung

Die Novizen leben in einem Haus fernab des alltäglichen Geschehens. Dort werden sie zwei Jahre unter den wachsamen Augen eines Novizenmeisters geschult. Danach legen sie die erste Profess ab, d.h. sie geloben die Einhaltung der Gelübde der Armut, Keuschheit und des Gehorsams für eine befristete Zeit. In der folgenden Ausbildungsphase geht es dann darum, mit Hilfe von Beratern definitive Entscheidungen zu treffen. Wichtig sind dabei die Empfehlungen aller bisherigen Lehrer, die das Denken des Priesterkandidaten geprägt haben. Während dieser Probezeit habe ich jeden Tag in aller Demut meine Berufung überdacht und überprüft. Die drei Gelübde, die ich vor meinen Superioren und vor der Kirche abgelegt hatte, waren Teil meines ‚Mantras’, das ich jeden Morgen nach dem Erwachen während der Meditationszeit mehrfach repetierte. Sie wurden zu meinem wertvollsten Schatz, waren Teil der wichtigen Rituale, die mich von den Laien unterschieden, und ich meinte, dass sie mich näher zu Gott brächten.

Vertieftes Verständnis

Als ich mit dem Studium der Theologie beginnen konnte, war ich religiöser und hatte mehr Eifer für die Kirche als bei meinem Ordenseintritt. Zwei Jahre war ich nun dem Einfluss langer, einleuchtender Vorlesungen über Mariologie und Kanonisches Recht ausgesetzt. Auch das religiöse Leben und das Gebet trugen dazu bei, dass ich mich dem katholischen Glauben noch mehr hingab. Vieles, was ich während meiner Kindheit im Katechismus an katholischer Lehre hörte, hatte ich damals nicht verstanden. Nun jedoch, während der Jahre meiner religiösen Ausbildung, wuchs mein Verständnis. Ich entwickelte eine grössere Hingabe an Maria und betete den Rosenkranz sogar mehr, als dies erwartet wurde. Ich war aufrichtig religiös, und doch fern von Gott.

Die meisten Lehren der Kirche wurden Bestandteil meiner Lebensweise. Ich war überzeugt, meine Heimat in der römisch-katholischen Kirche gefunden zu haben. Das Noviziat half mir, eine persönliche Verbundenheit mit der Kirche zu entwickeln. Und ein Abstecher in die Apologetik während der Zeit vor den Gelübden half mir, den Glauben klarer darzulegen und zu begründen.

Der interessanteste Teil meiner Ausbildung waren die Jahre des Theologiestudiums. Damit ein Priester vollen Anteil am kirchlichen Leben hat, braucht er sechs der sieben Sakramente: Taufe, Firmung, Eucharistie, Beichte, Priesterweihe, Letzte Ölung. Obwohl dies nicht so gelehrt wird, wird doch die Priesterweihe als das höchste und gnadenvollste Sakrament angesehen. In meinem Herzen war ich stolz darauf, dieses zu meinen anderen Sakramenten und Gelübden hinzufügen zu können. Ich vertraute darauf, mit diesem Sakrament, das mich neben Christus setzte, an Gottes Stelle handeln zu können. Ich war ein heiliger Mensch. So jedenfalls dachte ich. Wie einst Paulus so glaubte auch ich, aufgrund meiner Ausbildung und Stellung voll qualifiziert zu sein. Und wie einst dem Paulus, so stand auch mir noch die Erfahrung eines blendenden Lichts bevor, das mir zeigen sollte, wer ich war und was in Wirklichkeit um mich her vor sich ging.

Schwieriger als erwartet

Nicht lange nachdem ich meine endgültigen Gelübde abgelegt hatte, bekam ich einige der hässlichen Seiten der Kirche und meiner selbst zu sehen. Langsam aber immer mehr merkte ich, wie schwierig es war, die Gelübde zu halten, vor allem das der Keuschheit. Ich hörte von älteren Mitpriestern, die im Namen ihrer Verwandten, ja, einige sogar im Namen ihrer Kinder, Häuser kauften. „Gibt es so etwas, keusche Männer mit Kindern?“

Der Halt, den die Gelübde mir gegeben hatten, wurde durch diese Entdeckungen geschwächt. Wie eifrig und hingebungsvoll ich auch immer für die Kirche gelebt hatte und wie tief verwurzelt ich in den Beschlüssen des zweiten Vatikanischen Konzils gewesen war, jetzt kam es mir vor, als bräche die ganze Welt über mir zusammen. Wie war es möglich, dass es in der Kirche Gottes so viele Ungereimtheiten gab? Wie konnte die ,Heilige Bischofssynode’ solche äusserst heuchlerischen Handlungen übersehen? Wie konnte Rom dazu schweigen?

Wie andere Ordensbrüder, die noch stärker mit solchen Missständen konfrontiert waren, machte auch ich es zu meiner Überlebensstrategie, mich nur um meine eigenen Aufgaben zu kümmern. So hatten wir es im Noviziat gelernt. Doch dann kam ich während eines Arbeitsbesuchs auf einer unserer Stationen mit einem Mädchen in Kontakt. Ich versuchte zu widerstehen, indem ich den Rosenkranz häufiger betete und meinem Superior beichtete, aber ich versagte. Anfang 1997 überbrachte mir meine Geliebte eine Neuigkeit, die meine priesterliche Berufung zerstörte. Es fehlte nicht viel und ich hätte mir das Leben genommen.

Der ‚sichere Weg’

Mein geistlicher Leiter riet mir, den ‚sicheren Weg’ einzuschlagen und die Vaterschaft abzulehnen. Diese Entscheidung machte ich aber rückgängig, als das Kind – mein Sohn! – geboren wurde. Ich fühlte mich wie zweigeteilt, hatte die Freude an meiner priesterlichen Berufung verloren. Mein religiöses Leben war nur noch Heuchelei. Ich hatte nichts mehr, womit ich mich rühmen konnte. Meine Heiligkeit war dahin; ich hatte meine Keuschheit verloren! Ich war sicher, dass der Herr mich in diesem Zustand nicht annehmen würde und nichts mehr mit mir zu tun haben wollte. Ich beichtete meinem Vorgesetzten und er sprach mir Vergebung zu, aber ich war schuldig vor Gott. Mein geistlicher Berater sagte mir, ich solle mit meinem religiösen Doppelleben fortfahren. Das jedoch konnte ich nicht. Ich hatte nur einen Wunsch: von dieser Last der Schuld und Schande befreit zu werden.

Immer inbrünstiger beteiligte ich mich an den täglichen Morgenandachten, an den Messfeiern, an der freitäglichen Verehrung der Monstranz. Was konnte ich denn auch anderes als dies tun? Ich hatte gelernt, dass es meine Verantwortung sei, mich selbst zu reinigen. Und so strengte ich mich immer mehr an.

Der biblische Weg

Ich wusste wenig davon, dass David, der „ein Mann nach Gottes Herzen“ war, und auch einmal eine ähnliche Sünde wie ich begangen hatte, ganz anders mit seiner Schuld umging, als ich dies gelernt hatte. Er hielt nicht Ausschau nach einem Beichtvater, dem er seine Sünden bekennen konnte. Er versuchte auch nicht, Gott mit guten Werken oder mit Selbstkasteiung zu besänftigen.

Stattdessen ging er direkt zu seinem Vater im Himmel, bekannte seine Sünde und betete: „O Gott, sei mir gnädig nach deiner Güte; tilge meine Übertretungen nach deiner grossen Barmherzigkeit!“ (Psalm 51,3). Ich wusste nicht, dass ein Mensch, der an Jesus Christus als seinen Retter glaubt, ohne menschliche Vermittlung direkt mit dem Vater sprechen kann. „Ebenso preist auch David den Menschen glückselig, dem Gott ohne Werke Gerechtigkeit anrechnet: ‚Glückselig sind die, deren Gesetzlosigkeiten vergeben und deren Sünden zugedeckt sind.’“ (Römerbrief 4,6-7). Diese biblische Wahrheit war mir im Franziskanerorden unbekannt geblieben!

Nachdem ich ein ganzes Jahr lang von Gewissensbissen umgetrieben worden war und mein heuchlerisches Doppelleben mit nichts entschuldigen konnte, beschloss ich, mir ausserhalb der katholischen Kirche Rat zu suchen. Ich stiess auf eine Zeitschrift, die mein Denken in eine neue Richtung führen sollte. Damals kannte ich das Evangelium noch nicht; ich wusste nichts von der rettenden Gnade Gottes. Ich meinte, die Gute Nachricht bestünde darin, dass ich wieder meinen früheren Zustand der Keuschheit erlangen könnte. Der Artikel, den ich in jener Zeitschrift las, trug den Titel ‚Ein offener Brief an die Kirche in der Zeit der Ökumene’ und deckte auf eine sehr behutsame Art die Irrtümer der katholischen Lehren und den Betrug der Ökumene auf. Obwohl ich den Inhalt nicht völlig verstand, fühlte ich mich gedrängt, dem Autor zu schreiben und ihm die Probleme, die mich belasteten, mitzuteilen. Der Mann erklärte mir sehr liebevoll, warum Jesus unsere Sünden auf sich genommen und sie am Kreuz getragen habe – nämlich damit die Menschen mit Gott versöhnt werden können – und dass das Werk des Herrn Jesus abgeschlossen sei. Ich war jedoch noch immer sehr geprägt von der Auffassung, Gottes Wohlgefallen verdienen zu müssen. Nach einigen weiteren Bibelstudien mit meinem neuen Bekannten fasste ich den Entschluss, die Mutter meines Sohnes zu heiraten und mit ihnen zu leben.

Eine harte, aber befreiende Erkenntnis

Was in mir vor sich ging, als mir anhand meiner eigenen Bibel schliesslich klar wurde, was dort am Kreuz wirklich geschah, kann ich nur ungenügend in Worte fassen. Wenn nicht die Freude, die nun in meinem Herzen war, alles überstiegen hätte, so hätte die Erkenntnis, dass ich 10 Jahre meines Lebens für eine sinnlose Sache eingesetzt hatte, mich fast erdrückt. Während der weiteren Bibelstudien mit dem Mann, den Gott durch jenen Zeitschriftenartikel in mein Leben gebracht hatte, kam es mir vor, als würde es mir wie Schuppen von den Augen fallen, bzw. als wäre ich nach einem tiefen Schlaf in der Wirklichkeit aufgewacht.

1999 telefonierte ich fast jeden Montag mit diesem Mann und stellte ihm Fragen oder betete einfach nur mit ihm. Den Bibelstellen, die er mir jeweils gab, ging ich dann im persönlichen Bibelstudium weiter nach. Ich brauchte fast ein Jahr, bis ich die Bedeutung von Versen wie diesen verstand: „Denn alle, die aus Werken des Gesetzes sind, die sind unter dem Fluch…“ und: „der Gerechte wird aus Glauben leben“ (Galaterbrief 3,10a+11b). Anfänglich konnte ich mir nicht vorstellen, dass Gott mich lieben und mir seine Gnade schenken sollte, als ich mich noch in einem sündigen Zustand befunden hatte. Diese Wahrheit ist jedoch im Römerbrief 5,8 zu finden: „Gott aber beweist seine Liebe zu uns dadurch, dass Christus für uns gestorben ist, als wir noch Sünder waren.“

Nie hätte ich es für möglich gehalten, dass Gott mich, während ich noch im sündigen Zustand war, einzig und allein aufgrund meines Glaubens an das vollbrachte Sühnewerk des Herrn Jesus Christus lieben und als gerecht erklären könnte. Solange ich nicht wusste, dass Gott einen Menschen nicht aufgrund seiner Werke rechtfertigt, sondern aufgrund des Glaubens an Jesus Christus, war dies für mich unverständlich. „Wer dagegen keine Werke verrichtet, sondern an den glaubt, der den Gottlosen rechtfertigt, dem wird sein Glaube als Gerechtigkeit angerechnet.“ „Denn mit dem Herzen glaubt man, um gerecht zu werden.“ (Römerbrief 4,5 und 10,10).

Alles ist schon vollbracht

Jesus Christus hat das Gesetz vollkommen erfüllt und meine Sündenschuld voll und ganz bezahlt. Aber dass er meine Sünden bezahlt hat, wurde mir erst in dem Augenblick gutgeschrieben, als ich glaubte, dass meine Rettung allein sein Verdienst ist, weil er gestorben, begraben und auferstanden ist und alles vollbracht hat. Dies gilt nicht nur für mich, sondern für jeden Menschen, denn die Gerechtigkeit, die vor Gott gilt, wird jedem zugerechnet, der an das vollendete Werk seines Sohnes am Kreuz glaubt (vgl. Römerbrief 3,22). „Denn Christus ist das Ende des Gesetzes zur Gerechtigkeit für jeden, der glaubt“ (Römerbrief 10,4).

Die Gerechtigkeit, welche die Gläubigen im Herrn Jesus Christus haben, ist ohne Flecken oder Makel, sie ist perfekt und ganz und gar wunderbar; eine Gerechtigkeit, die nicht nur alle Sünden getilgt, sondern auch jede Forderung des Gesetzes erfüllt hat.

Während meiner Ausbildung in der römisch-katholischen Kirche hatte ich gelernt, Errettung geschehe dadurch, dass die Gerechtigkeit Christi durch die Sakramente zum Menschen fliesse. Jetzt weiss ich, dass dies nicht stimmt. Denn Gottes Wort lehrt, dass die Gerechtigkeit demjenigen, der an Jesus Christus glaubt, direkt zugerechnet wird. Aus Materie kann nichts Geistliches entstehen, in welch mysteriöser Weise auch immer die Zeremonie vollzogen wird. Gott sagt uns: „Der Geist ist es, der lebendig macht, das Fleisch nützt gar nichts. Die Worte, die ich zu euch rede, sind Geist und sind Leben“ (Johannesevangelium 6,63).

Die katholische Lehre über die Sakramente geht so weit, dass ein ewiger Fluch über jeden ausgesprochen wurde, der dieses Dogma nicht annimmt: „Wer sagt, durch die Sakramente des Neuen Bundes werde die Gnade nicht kraft des vollzogenen Ritus mitgeteilt, sondern zur Erlangung der Gnade reiche der blosse Glaube an die göttliche Verheissung hin, der sei ausgeschlossen“ (Konzil von Trient, 7. Sitzung (1547); in: Neuner-Roos, §513). (‚Ausgeschlossen’ heisst wörtlich ‚verflucht’, also von der Kirche exkommuniziert und somit ohne Hoffnung auf die Erlangung des Himmels.)

Mit Christus durchs Leben

Wie ganz anders als mein Alltag im Kloster ist das Leben, das ich nun als Gläubiger führe. Als Gläubiger weiss ich, dass Jesus Christus mich liebt und dass er immer bei mir ist. Auch wenn ich in Schwierigkeiten gerate, so weiss ich doch im Glauben, dass er in diesen für mich da ist. Im Ordensleben ist für jedes Bedürfnis rechtzeitig vorgesorgt. Vier mal täglich konnten wir an einem gedeckten Tisch sitzen, wenn uns kalt war, brachten uns die Laien warme Decken, und wir konnten monate-, ja jahrelang leben ohne zu wissen, was die gewöhnlichsten Dinge des Lebens kosten. Was auch immer an Problemen auftauchte, man wandte sich an die Diözese und erwartete von dort die Lösung. Das ist für mich jetzt völlig anders. Jedes meiner Bedürfnisse vertraue ich Gott an. Und durch seine Gnade habe ich gelernt, ihm für alles zu danken, auch für die schwierigsten Situationen. Es ist mein Wunsch, Gott sowohl im Leiden als auch in der Freude zu erkennen. Beides begegnet mir auf dem schwierigen Weg in ein neues Leben.

Ich verstehe nicht bis in alle Einzelheiten, warum Christus mir so gross und lieb geworden ist, aber ich weiss, dass er sich mir auch weiterhin offenbaren wird. Was ich schon habe – das Leben in seiner Gnade und in Gemeinschaft mit meiner Familie – genügt mir, um vorwärts zu gehen und ihm zu dienen. Dass er mich geliebt hat, hat keinen Grund in mir, denn ich war, wie jeder Mensch, der nicht mit Christus verbunden ist, ein Sünder. Dass er mich errettet hat, ist nicht mein Verdienst, denn ich habe, genau wie jeder andere, die Hölle verdient. Und doch hat Gott, der Vater, mich für gerecht erklärt in dem Moment, als ich mein Vertrauen auf seinen Sohn setzte. Und diese Gerechtigkeit bleibt mir auch dann zugerechnet, wenn ich erneut sündige. Welch grossartige Botschaft! Ich kann es immer noch kaum fassen, dass er für mich gestorben ist, als ich noch ein Sünder war.

Die Liebe des Christus drängt mich

Nach einem guten Jahr des Studiums, des Gebets und der Vorbereitung fühlte ich mich von Gott zu den vielen Millionen Menschen geführt, die durch die gefälschte Rettungsbotschaft der römisch-katholischen Kirche gefangen gehalten werden. Die christliche Gemeinde, die ich gefunden hatte, war mir dabei allerdings keine grosse Ermutigung. Während ich den unüberbrückbaren Graben zwischen der römisch-katholischen und der biblischen Kirche klar erkannte, musste ich mit Schrecken feststellen, dass die meisten meiner Brüder und Schwestern in den reformierten und evangelikalen Kreisen fast oder gar keinen Unterschied zur römisch-katholischen Lehre sehen!

Dies feststellen zu müssen, hat mich sehr bedrückt. Einerseits gibt es sehr viele, die wie ich die katholische Kirche verlassen und dadurch auch ihre Familien, ihr Prestige und ihre soziale Sicherheit verlieren, weil sie der Wahrheit, die in der katholischen Kirche bekämpft wird, treu sein wollen. Gleichzeitig gibt es andererseits Gläubige, welche die Katholiken als ‚Brüder im Glauben’ umarmen. Es geht ihnen so, wie es mir früher ging: Sie verstehen nicht, dass Katholiken, die das wahre Evangelium nicht hören und nicht daran glauben, für ewig verloren gehen. Umso erschütternder ist das Dokument ‚Evangelikale und Katholiken zusammen’, welches von führenden Evangelikalen mitunterzeichnet wurde. Wie haben sie dadurch den Wert des Blutes Christi verachtet und die Reformatoren des 16. Jahrhunderts beleidigt, auf deren hingebungsvollen Kampf für die Wahrheit der evangelische Glaube aufbaut! Wie können wir dem Weg der Wahrheit folgen, wenn wir uns unter dem Deckmantel der Einheit wie Ehebrecher verhalten und nach dem Zweckdienlichkeitsdenken dieser Welt handeln? Wenn wir das tun, verleugnen wir das wahre Evangelium und den Herrn, der uns erlöst hat. „Es gab aber auch falsche Propheten unter dem Volk, wie auch unter euch falsche Lehrer sein werden, die heimlich verderbliche Sekten einführen, indem sie sogar den Herrn, der sie erkauft hat, verleugnen; und sie werden ein schnelles Verderben über sich selbst bringen“ (2.Petrusbrief 2,1).

Begegnung mit der Vergangenheit

Die grösste Zeit meines bisherigen Lebens hatte ich verbracht ohne zu wissen, dass einzig und allein Gott mich erretten kann. Während all der Jahre, in denen ich unter der Leitung der römisch-katholischen Kirche studiert hatte, kam ich nicht zur Erkenntnis dieser Wahrheit. Meine katholischen Lehrer und Vorgesetzten hatten mir weder das wahre Evangelium verkündigt noch mich zu Christus geführt. Im Gegenteil, sie liessen mich in dem falschen Glauben, sie seien die Vermittler des Heils und der rettenden Gnade.

Um dieses Lebenszeugnis zu dokumentieren, bat man mich, eine Bescheinigung vorzulegen, dass ich wirklich Priester gewesen sei. Als ich mein neues Leben begann, dachte ich natürlich nicht daran, dass ich einmal ein solches Dokument brauchen würde und hätte nie gedacht, dass es so schwierig werden könnte, meine eigenen Papiere zurückzubekommen. Ich rief Frater Gava an, den Dekan der Kathedrale, in deren Mönchswohnung ich gelebt hatte. Denn dort würden sich ja sicher meine Papiere befinden. Frater Gava sagte mir, ich solle kommen und das Material holen. Als ich jedoch dort ankam, behandelten mich die Mönche, mit denen ich zusammengelebt hatte, wie einen Fremden. Immerhin gaben sie mir etwas zu essen. Frater Gava jedoch war nirgends aufzufinden. Drei Stunden später rief er an und fragte, ob ich noch dort sei. Ich konnte ihn jedoch weder an diesem noch am nächsten Tag sehen bzw. mit ihm sprechen. Jedes Gespräch wurde überwacht und wenn ich versuchte, jemanden um eine Auskunft zu bitten, wichen mir selbst jene aus, mit denen ich noch vor kurzem wie in einer Familie zusammengelebt hatte.

Das einzige Ergebnis der teuren Reise, die ich hatte machen müssen, war Verachtung und Beleidigung. Ich stellte fest, dass ich als Bestätigung meiner ehemaligen Priestertätigkeit nur den Briefwechsel mit dem Bischof, welchen ich in meinen Büchern zu Hause gefunden hatte, würde angeben können.

Eine neue Identität und eine neue Lebensaufgabe

Was meine neue Stellung in Jesus Christus angeht, ist Er es selbst, der die Bestätigung gibt. Es braucht keine von Menschen ausgestellten Dokumente, um mein neues Leben zu bezeugen. Der lebendige Geist Gottes, mit dem ich, als ich gläubig wurde, versiegelt worden bin, ist Zeuge dafür. „Der Geist selbst gibt Zeugnis zusammen mit unserem Geist, dass wir Gottes Kinder sind“ (Römerbrief 8,16).

Sonntags treffe ich mich mit anderen Gläubigen um den Herrn anzubeten. Wir ermutigen einander, immer mehr unter römisch-katholischen Menschen zu evangelisieren. Das Wort Gottes gibt uns dazu Belehrung und mit seiner Hilfe bereiten wir uns darauf vor, die frohe Botschaft von der Errettung in Jesus Christus ganz besonders mit denen zu teilen, die noch Gefangene der Verführung der katholischen Kirche sind. Wir achten auf die vielen Ermahnungen, die uns die Bibel in bezug auf falsche Lehren gibt und wir ermutigen einander, ernsthaft „für den Glauben zu kämpfen, der den Heiligen ein für allemal überliefert worden ist“ (Judasbrief 3b), „damit wir uns nicht schämen müssen vor ihm bei seiner Wiederkunft“ (1.Johannesbrief 2,28b). Und in jeglicher Situation dürfen wir mit Freude und Vertrauen „hinschauen auf Jesus, den Anfänger und Vollender des Glaubens“ (Hebräerbrief 12,2).

Cuthbert und seine Frau Lydia wurden am 23. April 2004 mit einem zweiten Kind, einem Mädchen, beschenkt. Im gleichen Jahr folgte die Familie dem Ruf einer evangelischen Gemeinde, die Cuthbert gebeten hatte, ihnen als Hirte zu dienen und zog nach Harare, Zimbabwe. Ausserdem hilft Cuthbert auch bei der Betreuung der Gemeinde in ihrem früheren Wohnort Chitungwiza. Unbeirrt von der materiellen Armut, die auch seine eigene Familie betrifft, führt er den Missionsdienst ,Christ for Catholics’ weiter und schult Mitchristen für die Evangelisation unter seinen geliebten katholischen Mitmenschen. Seine e-Mail Adresse lautet: cldzingirai@zol.co.zw

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